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Seifenkistl-Derby 1951 in Hamburg
Seifenkistl-Derby 1951 in Hamburg (Foto: Uelzmann)

Organisierte Rennen wurde nicht nur zu Publikumsmagneten, sondern sollten Orientierungsfunktion für 'aus der Bahn geratene' Jugendliche erfüllen.
Im Rahmen des Unterstützungsprogramms zugunsten der 'German Youth Activities' (GYA) fanden 1948 die ersten Ausscheidungsrennen statt. Die Adam Opel AG, hundertprozentige Tochter von General Motors, übernahm die Herausgabe von Rennvorschriften und stellte Räder sowie Achsen nach US-Norm her. Die schnellsten Rennwagen jedes Militärbezirks sollten 1949 bei den ersten Deutschen Meisterschaften in München zusammenkommen. Dem Sieger winkte die Teilnahme am 'All-American Soap Box Derby' in Akron. Der Start war am Fuße des Bavaria-Denkmals. Zehntausende standen auf der Theresienwiese, als die besten Flitzer aus der amerikanischen Zone eine eigens für sie geschaffenen 220 Meter lange Holzbahn heruntersausten.

Die überwältigenden Münchner Erfahrungen veranlassten andere Städte nachzuziehen. 1950 kamen in Stuttgart bereits 20000 Zuschauer. Dabei wurden die Rennen auch von den Deutschen durchaus als ein Politikum verstanden. 'Krieg und Nachkriegszeit haben viele Jugendliche von der geregelten Bahn abgebracht', schrieb eine Hamburger Zeitung 1950. Es gehöre leider nicht zu den Seltenheiten, dass Jungen, 'die früher harmlos spielten und Streiche machten, zu Einbrechern, Dieben oder Betrüger wurden'. Darum sei es eine dankbare Aufgabe, begründete die Zeitung ihr großes Engagement als Motor und Hauptsponsor der Hamburger und später der Deutschen Meisterschaft, 'den Hamburger Jungen eine Aufgabe zu geben'.

Viele nahmen dies begeistert an. Rennorganisatoren besuchten Schulklassen und weckten den Enthusiasmus der Jungen. In kleinen Geschichten, wie 'Winnetou hat keine Zeit', wurden ihnen gute Ratschläge gegeben. 'Wochen und Monate hat Wolfgang jede freie Minute für den Bau seines Renners benutzt. Ein alter Briefbeschwerer gab eine ideale Bremse, die Bleche für die Verkleidung des schnittigen Wagens stammten aus leeren Keksdosen der Schulspeisung. Das Lenkrad hat er sich auf einem Schuttabladeplatz ausgegraben. Die Steuersäule ist aus einem Stück Gasrohr. Für die Führung der Bremsseile mussten Teile eines ausrangierten Bettes von Wolfgangs Schwester herhalten.' Das ganze für nur 15 Mark damals. 'Winnetou hat keine Zeit' heißt auch der dazugehörige Spielfilm. Der Junge soll nicht länger Indianer spielen, finden seine Eltern. Er soll etwas 'Anständiges' machen, nämlich Seifenkisten bauen.

Dass Mädchen auch fahren könnten , ignorierte man geflissentlich.
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